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Beeinträchtigung:AHDS

ADHS/ADS


Das Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) oder auch Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung oder Hyperkinetische Störung (HKS) genannt, bzw. das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADS) ist eine bereits im Kindesalter beginnende psychische Störung, eine neurobiologische Dysfunktion, die durch Probleme mit der Aufmerksamkeit, Konzentration, Hyperaktivität und mangelnde Impulskontrolle gekennzeichnet ist. 5 % aller Kinder und Erwachsenen gelten an ADHS/ADS erkrankt. Es gelten erbliche und soziale Dispositionen als ursächlich. Die Aufmerksamkeitsdefizitstörung gilt heute als häufigste Ursache von Verhaltensstörungen und schulischen Leistungsproblemen von Kindern und Jugendlichen. Die Krankheit besteht auch im Erwachsenenalter weiter, so dass wir auch bei der Motorradausbildung oder in der Berufskraftfahrausbildung Betroffene haben auf die wir uns einzustellen haben.


Bei an ADHS erkrankten Fahrschülerinnen und Fahrschülern stellt der Erwerb der Fahrerlaubnis und die dazugehörige Ausbildung eine nicht zu unterschätzende Herausforderung dar.


In der Fahrschule ist es erst einmal für die Fahrlehrerin oder den Fahrlehrer sehr schwer zu erkennen, ob eine der Fahrschülerinnen oder Fahrschüler an ADHS oder ADS erkrankt ist.

Es gibt kein einheitliches Krankheitsbild, sowohl die Ursachen als auch die Erscheinung können sehr unterschiedlich sein. Jeder Mensch ist anders. Jede einzelne Auffälligkeit ist noch kein Hinweis auf das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom mit der Hyperaktivität. D. h. je intensiver die Fahrschule mit dem Fahrschüler arbeitet, sowohl im theoretischen Unterricht als auch bei den praktischen Fahrstunden, desto eher ist sie in der Lage ein realistisches Bild vom Schüler zu erhalten.


Oft melden sich Fahrschüler/innen zum Führerschein an, ohne einen Hinweis auf die Erkrankung zu geben. Die Fahrlehrer/innen sind dann im Unterricht darauf angewiesen zu erkennen, dass eine Aufmerksamkeitsstörung besteht.


Hellhörig sollten Fahrlehrer/innen sein, wenn z. B. körperliche Unruhe im Unterricht auffällig ist oder die Konzentration sehr schnell nachlässt. Weitere Hinweise können sein, dass bei der Lernzielkontrolle im Theorieunterricht wesentliche Inhalte nicht wieder gegeben werden können. Sind leichte Ablenkbarkeit, schnelle Überforderung bei den Fahrstunden, wenig Toleranz beim Hinweis auf Fehler und fehlt trotz intensiver Übung die Fähigkeit planerisch vorzugehen oder erfolgt auch immer wieder das „Vergessen“ von Erlerntem gegeben, so sind dies deutliche Hinweise auf ADHS. Erst Handeln, dann Denken ist ein häufiges Handlungsmuster von Erkrankten.


Nicht jeder ist äußerlich hyperaktiv und hat Bewegungsdrang und ist unruhig, sondern es gibt auch die, die sich Tagträumen hingeben, den Hypoaktiven. Sie sind oft gedanklich abwesend.


Die Ausbilder/innen müssen erkennen und sich immer wieder verdeutlichen, dass ADHS ein Krankheitsbild ist und nicht der Ausdruck einer falschen Erziehung. Es ist nicht schlechtes Benehmen, was wir erfahren, sondern äußerer Ausdruck eines Krankheitsbildes, einer psychischen Störung.


Ganz wichtig ist die persönliche Zuwendung. Die Fahrlehrer/innen müssen Empathie entwickeln.


Lernsituationen sind für an ADHS erkrankten Jugendlichen häufig traumatisiert. Sie haben Versagungsängste und bekommen nicht selten negative Rückmeldungen und fallen als Störer auf. Für uns in der Fahrschule besteht die große Chance über die hohe Motivation, nämlich bald Autofahren zu können und zu dürfen, Lernbereitschaft zu fördern und Motivation neu Herzustellen.


Wir müssen uns für die einzelnen Lernschritte und für die Grundlagen sehr viel Zeit nehmen. Die Fahrschüler/innen fühlen sich bei vielfältigen Reizen überfordert und reagieren durch Unruhe, Widerstand und impulsives Verhalten.


Es gilt die Zeit der kurzen und intensiven Konzentration zu nutzen und mit der Stoffvermittlung aufzuhören, wenn die Konzentration nachlässt. Die Zeiten der Konzentrationsdauer sind durch behutsames Vorgehen allmählich auszudehnen.


Die Fahrlehrer/innen sollten Methodenwechsel vornehmen, selbst machen lassen und wenig vortragsartig den Unterricht gestalten. Es werden im Unterricht Gruppen gebildet, die überschaubare Aufgaben zu lösen haben.


Die Verzahnung von theoretischer und praktischer Ausbildung ist wichtig.


Es gilt zu erkennen, wo die Lernblockaden liegen um dann mit didaktischen Mitteln zu versuchen die Blockaden zu lösen.


Eine Möglichkeit im praktischen Unterricht könnte die Verbalisierungsmethode sein, d. h. der Fahrschüler spricht laut aus, was er sieht und was er tun wird. Die Fahrlehrer/innen erkennen dadurch, wie stark sich die Aufmerksamkeit entwickelt hat und wo noch Aufmerksamkeitsschwächen bestehen. Handlungen werden durch die Verbalisierung geplant und impulsives Handeln gehemmt.


Sinnvoll kann es sein, nach der Absolvierung des theoretischen Unterrichts die Prüfungsvorbereitung als Einzelunterricht zu gestalten. Die Fahrschule prüft dabei, ob die Theorieprüfung am PC evtl. durch eine auditive (Kopfhörer) oder eine mündliche Prüfung ersetzt werden kann.


Etwas ganz Einfaches gilt es zu berücksichtigen. Loben, loben, loben.


Der Kontakt zum Elternhaus kann sehr wichtig sein, da die Fahrschule in der Kürze der Fahrschulausbildung nicht viele Erkenntnisse sammeln können, deshalb ist sie auf unterstützende Hinweise aus dem persönlichen Umfeld angewiesen.


Geduld bringt ein Fahrlehrer oder eine Fahrlehrerin von Haus aus mit; sie ist wichtiger Bestandteil der Arbeit. Die Fahrlehrer/innen begleiten die Fahrschüler/innen bei ihrem Lernprozess. Die Schüler/innen bestimmen die Geschwindigkeit. Die Lehrkraft ist ihr Coach. Der Fahrlehrer gibt zwar keine Zeitschienen vor, doch er versucht Lernschritte und damit Lernerfolge zu unterstützen. Der Lehrer fördert den Lernprozess und den lernenden Menschen.


Wir empfehlen, dass bei der Antragstellung ein fachärztliches, verkehrsmedizinisches Gutachten der Führerscheinstelle vorgelegt wird. Das Gutachten muss eine Diagnose enthalten, Aussagen zur Medikation machen und konkret Stellung zur Fahreignung beziehen.


Auch wenn ADHS nicht explizit in der Anlage 4 zur Fahrerlaubnisverordnung aufgeführt ist, gehört die Krankheit zu den neurologischen Krankheitsbildern, die die Fahreignung beeinflussen. Einige der eingenommenen Medikamente (wie z. B. das bekannte Retalin) fallen mit seinen Substanzen in das Betäubungsmittelgesetz. Die Einnahme von Retalin schließt nicht automatisch die Fahreignung aus, sondern es muss vom Arzt oder der Ärztin konkret Stellung bezogen werden. Ebenso werden z. T. Antidepressiva verschrieben, die ebenfalls Auswirkungen auf die Fahreignung haben können.


Aus diesen Gründen halten wir die Erstellung eines medizinischen Gutachtens als notwendig und hilfreich an. Hat die Fahrerlaubnisbehörde nach Vorlage des Gutachtens den Prüfauftrag erteilt, so bedeutet dies, dass die Fahreignung amtlich anerkannt ist. Dies stellt eine nicht zu unterschätzende Absicherung für den Fahrerlaubnisinhaber dar, vorausgesetzt der Status und die Medikation verändern sich nicht relevant.




Quelle:
TEAM-Fahrschule Hamburg
http://team-fahrschule.de/auto/ausbildung/ausbildung.asp
 
 
   
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